Abschied

Mittlerweile habe ich Estland hinter mir gelassen.

Heute war ein sehr stressiger Tag. Ich hatte meinen Abschlussvortrag, den wir leider heute machen mussten, weil es sonst aus terminlichen Gründen bei den anderen nicht geklappt hätte. Jüri und Mark sind leider nicht gekommen. Insbesondere dass Mark fehlte, ist schade, war doch ein Teil des Vortrags (über Refactoring) auch an ihn addressiert. Danach gab es Kuchen und Tee für alle am Lehrstuhl. Jenn und Ulrich sehe ich wohl bald in Aachen wieder, aber den Rest wohl nicht.

Ich fühle mich nicht so doll. Fühle ich mich sonst nicht so an einen bestimmten Ort gebunden, tut es diesmal wirklich weh, auf Wiedersehen zu sagen. Die letzte Zeit war zwar gar nicht so aufregend – viel Arbeit und viel zu Hause sein – aber der Sommer ist im Anmarsch und Estland zeigt seine wahre Schönheit. Die Birken bringen ihre ersten Blätter hervor, der Himmel erstrahlt in einem so klaren Blau, wie man es in Deutschland nicht finden kann. Und meine Freunde sind mir sehr ans Herz gewachsen. Nun kommt die Fähre bald in Helsinki an und ich weiss nicht, ob und wann ich sie wiedersehe. Ja, es gibt moderne Kommunikationsmittel. Eine Webcam lässt die Distanz zwischen Menschen deutlich geringer werden. Aber es ist immer noch kein Ersatz für einen Tee am Küchentisch und eine herzliche, ehrliche Umarmung.

Ich habe auch noch nie so viele interessante Menschen auf einen Haufen gesehen. In Aachen haben doch viele Leute einfach einen Knall. Sorry, aber ich vermute das kommt vom T in RWTH. Ich denke, dass die Menschen, die ich in Tartu kennen gelernt habe, einfach weiser sind und mehr mit sich und ihrem Leben etwas anfangen zu wissen, als der durchschnittliche Aachener.

In Tartu habe ich gelernt, dass wir Deutsche durchaus unsere Kultur mehr schätzen sollten. Ausländer aus der ganzen Welt tuen das auch. Dennoch habe ich schon früher das Gefühl gehabt, dass menschliche Bindung in Deutschland als weniger wichtig empfunden wird. Ich hoffe, dass ich so gute und so weise Freunde wie aus Estland auch wieder in Deutschand treffe. Ich werde sie sehr vermissen.

Update

Nur ein kurzes Update für neugierige E-Mail-Schreiber:

Mein Vortrag ist auf den kommenden Dienstag verschoben worden, weil Ulrich sonst keine Zeit gehabt hätte. Direkt im Anschluss düse ich nach Tallinn, schnappe mir die Fähre nach Helsinki und schlafe dort eine Nacht (Hat einer einen Tipp für eine nette Absteige?) Am 18. komme ich dann in Deutschland an und kümmere mich um Umzug und den neuen Job. Meine Diplomarbeit ist fast fertig, ich muss noch etwas korrigieren und die letzten Seiten mit der Zusammenfassung schreiben. Die Abgabe ist nun am 08.Mai, also noch jede Menge Zeit und ich werde wohl die Arbeit deutlich früher einreichen. Am Samstag ist Abschiedsparty in gregorischen Botschaft (Gruusia Saatkond).

Ansonsten habe ich momentan nicht wirklich Musse viel zu schreiben, da ich das den meisten Tag über mache. Wenn ihr was bestimmtes Wissen wollt, ruft mich unter der düsseldorfer Nummer an.

Waidmanns Heil,
Chris

Eesti Blog Heads

Mein Blog wird stillgelegt, sobald ich meine Diplomarbeit fertig ist, aber wer jetzt neugierig auf Estland geworden ist, kann sich den RSS Feed meiner Blogger Kollegen abbonieren.

Da ist zum Beispiel Leben in Estland, ein Münsteraner der in Tallinn gelandet ist. Er macht schöne Photoblogs und hat, da er in der grossen Stadt wohnt, natürlich eine andere Sicht auf Estland.

estland bringt viel Politik und Geschichte. Es ist ein wirklich aktives Blog mit vielen Einträgen.

Jenn’s wanderings ist zwar Englisch, beschreibt aber in wunderbaren Wörtern, was man als Englischlehrer in Tartu erlebt. Mein Favorit ist Jenns Meinung über töö.

Ulrich schreibt jede Menge – leider momentan nicht in seinem Blog sondern in seiner Dissertation. Das Leiden hat aber bald ein Ende, so dass die Hoffnung besteht auch von Uli was zu lesen.

Hack Mode

Es wird Zeit das ich euch mal wieder ein Update gebe. Meine Diplomarbeit neigt sich so langsam dem Ende zu, am Ostersonntag will ich mit der Arbeit fertig sein. Ich habe eine recht straffen Zeitplan, aber es ist trotzdem nicht stressig. Schade ist halt, dass im Moment ein wunderschöner Frühling ist, die Schneeglöckchen und die Schmetterlinge sagen sich Hallo und es wirklich nett ist im Park Mittag zu essen. In letzter Zeit habe ich öfter von zu Hause gearbeitet, hier kann man wenigstens am Fenster sitzen und kriegt was von der Umgebung mit.

Meine Arbeit ist jetzt bei 63 Seiten – so 80 bis 120 ist das Optimum. Bei meinem derzeitigen Tempo werde ich ziemlich genau im Bullseye landen, wobei natürlich durch nachträgliche Bearbeitung nochmal Seiten dazukommen oder verschwinden.

Generell ist die Tätigkeit auch angenehm. Im Gegensatz zum Beginn ist die Tätigkeit klar abgesteckt und ich weiß was ich machen will. Ich komme in den Flow oder “Hack Mode” und arbeite einfach so vor mich hin. Am Ende habe ich dann mein tägliches Ziel erreicht, oder wie gestern sogar übertroffen. Am Abend bin ich dann auch nicht so erschöpft, wie an den Tagen wo ich im Fortran Code nur gelesen habe und versucht habe zu verstehen, was da abgeht. Heute habe ich zum Beispiel nur aufgehört zu arbeiten, weil ich einen verdammten Hunger hatte. :-)

Ich habe das schon öfter in der Vergangenheit gehabt, meist beim Programmieren, aber auch mal in der Uni. Meist nur bin ich dann am nächsten Tag k.o. weil ich zu lange vor dem Kram gesessen habe, Das ist momentan zum Glück anderes.

Am 12.04. ist mein Diplomvortrag hier in Tartu und am 18.04. geht mein Flieger von Helsinki nach Köln/Bonn. Die Tage in Deutschland bis zum Arbeitsbeginn am 01.05. werde ich wohl mit dem Umzug nach Dortmund und Behördengängen verbringen.

Das älteste Gewerbe in Tartu

Zuerst wollte ich einfach einen leeren Eintrag verfassen, weil es hier in Tartu so gut wie keine Rotlicht Angebote gibt. Aber ein bischen gibt es ja doch zu berichten.

Schon vor einiger Zeit habe ich für eine Party ein Latex T-Shirt gesucht. Zwar bin ich nicht fündig geworden, aber ich habe alle Sex Shops in Tartu besuicht. Desiree ist auf der Tiigi im Südwesten von Tartu nahe der Volkshochschule und dem Bahnhof. Der Besitzer spricht nicht gut Englisch, aber es reicht um sich zu verständigen. Er ist wirklich sehr freundlich und zuvorkommend.

Etwas südlicher in der Tähe Straße (ich glaube Hausnummer 2) findet man einen mürrishen Verkäufer von *hust* Erwachsenenartikeln.

Ganz im Südosten in Annelinn gibt es einen weiteren Shop. Wenn ich mich recht entsinne, war es in der Kalda tee 34. Leider hatte der zu, so dass ich ihn nicht besuchen konnte.

Im ersten Laden mit dem freundlichen Verkäufer holte ich dann später einen String Tanga im Leopard Look für Manu. Leider weiss ich nicht, ob er ihn für seine *uhm* Gottesdienste im “Temple der Schweinerein” benutzt.

In den letzten Tagen habe ich versucht eine Stripperin für eine Geburtstagsparty aufzutreiben. Leider ist es mir bisher nicht gelungen eine Dame zu finden, die auch Hausbesuche macht. In Tallinn gibt es eine recht lebhafte Rotlicht-Szene, die auch fleissig von Touristen (so sagen die Tallinner ;-) frequentiert wird, aber hier in Tartu ist – wenn ich es mal so sagen darf – tote Hose.

Onlinewahlen in Estland

Einige von euch haben es ja bestimmt schon in den Nachrichten gelesen. In Estland findet dieser Tage die Wahl des Riigikogu (Parlament) statt, bei der erstmalig online gewählt werden kann.

Mit ID Card und Kartenlesegerät kann man von jedem Rechner, der mit dem Netz verbunden ist seine Stimme abgeben. Damit wird eine weiterer Baustein in das Haus für online Behördengänge eingefügt. Man kann jetzt schon mit der ID Card:

* sich ausweisen,
* zum Arzt gehen,
* einen Waffenschein beantragen (und viele andere Formalitäten erledigen),
* Verträge online verbindlich unterschreiben oder
* sich beim Onlinebanking einloggen.

Das Verfahren für die Onlinewahl ist vielleicht nicht so ehrgeizig, wie das von den USA, dafür scheint es aber auch machbarer zu sein und nicht so von Sicherheitsproblemen belastet.

Für die Geeks unter euch: Es wird Open Source eingesetzt. Die Wahlsoftware basiert auf OpenSC. Mehr zur ID Card gibts hier und zum Wahlportal samt Informationen geht’s hier.

Jobsuche

Die meisten von euch dürften es ja schon mitgekriegt haben, dass ich in letzter Zeit recht intensiv nach einen Job gesucht habe. Begonnen hat es damit, dass ich Anfang Dezember meinen Lebenslauf auf monster.com eingepflegt habe. Darauf habe ich recht viele Angebote von Personalargenturen erhalten. Einige habe ich direkt abgelehnt und andere wurden wieder zurückgezogen, nachdem die Headhunter realisierten, dass ich erst ab Anfang Mai zur Verfügung stehe. Üblicherweise stellt ein Unternehmen ASAP ein – as soon as possible. Praktisch heisst das, dass man sich ein bis zwei Monate vor dem Eintritt auf den Job bewirbt.

Nun war es bei mir ja etwas länger vor meinem angepeilten Jobstart, aber dennoch hat es sehr gut geklappt. Zuerst kontaktierte mich immer der Headhunter und besprach, ob der angebotene Job was für mich ist. Danach kamen häufig Jobinterviews per Telephon. Ich würde sagen, dass sie gut waren um einen ersten Eindruck vom Job zu kriegen, aber in den persönlichen Interviews kriegt man viel mehr mit. In einem Unternehmen war zum Beispiel mein Eindruck, dass die relativ locker arbeiten und sich oft eine Kaffeepause gönnen. Letztlich war ich um Weihnachten schon in Wermelskirchen und bin nun für zwei Wochen nochmal nach Deutschland gekommen, um die restlichen Gespräche zu führen.

Ich habe jetzt eine mündliche Zusage für einen Vertrag bei der QuinScape in Dortmund, einem ca. 45 Mann starkem Beratungsunternehmen. Ich werde im J2EE Projektumfeld arbeiten und hauptsächlich beim Kunden vor Ort eingesetzt werden. Das bedeutet, dass ich in Deutschland ziemlich viel rumkommen werde, was mir durchaus sehr gefällt. Der Plan ist, dass ich meist 3-12 Monate am Stück bei einem Kunden bleiben werde. Heute war ich zu einem “Tech Talk” (eigentlich zwei verschiedenen) über Innovationsmanagement und über das Project Management Framework Maven in Dortmund. Gerade der Teil über Innovationsmanagement war sehr cool, weil ich dort mal den Kram aus der Uni unterstützt durch Software erleben konnte. Vielleicht kann ich in dem Bereich mehr machen.

Für die, die sich jetzt Fragen, was aus meinen Plänen geworden ist, ins Ausland zu gehen: Estland fällt weg, weil ich dort kaum in die wirklich coolen Jobs reinkomme. Zum einen ist die Auswahl in Tartu (100.000 Einwohner) einfach kleiner als in Deutschland (80.000.000 Einwohner). Zum anderen ist das Sprachproblem ein Hindernis. Auch mit Unterricht dauert es halt bis man Estnisch flüssig spricht. UK fällt weg, weil es 30% teuerer ist als Deutschland, aber man nur 70% des Lohns kriegt. Ausserdem ist der Markt in UK nicht so dolle. Die Niederlande wären vermutlich sehr lukrativ gewesen, weil man dort sogar einen ca. 15 %igen Steuerbonus kriegt, wenn man einen Job macht, für den kein Inländer da ist. Aber bei dem coolen Angebot aus Dortmund, das ebenso finanziell recht gut ist, konnte ich halt nicht ablehnen.

Wo ich in Zukunft wohnen werde, ist noch unklar. Vermutlich könnte ich überall in Deutschland wohnen. Wenn ihr mich also in eurer Stadt haben wollt, könnt ihr mir die wunderbaren Vorteile eurer Stadt aufzählen. ;-)

Heimweh

Was für mich sehr überraschen war ist, dass man, wenn man sich im Ausland wohlfühlt, direkt mehrere Plätze hat, wo man sich zu Hause fühlt. Dann hat man immer Heimweh, egal ob man in der alten Heimat oder der neuen Heimat ist. Das geht nicht nur mir so:

Nastya 23/01/2007 14:38:
I miss you all…
(hug)(hug)(hug)(hug)

Christian Poecher 23/01/2007 14:39:
hahaha, why is it that everyone gets homesick when they are home?

Nastya 23/01/2007 14:40:
just because…
for me it’s absolutely confusing
because now I alway miss 2 places
for Ex, now – SPb and Raatuse…

Komme nach Deutschland

Für ein paar Bewerbungsgespräche komme ich wieder nach Deutschland. Der Flug geht am 29.01. und zurück fliege ich am 12.02. Auch wenn ich nicht suuuuper viel Zeit habe, will ich versuchen ein paar von euch zu treffen.